t_sihek (t_sihek) wrote,
t_sihek
t_sihek

Schneesturm - 9. Kalendertürchen

Fandom: Tatort Münster
Charaktere: Alberich/ Boerne
Rating: PG6, h/c (mild), ff
Disclaimer: Die Idee zur Geschichte gehört mir, die Charaktere den Machern von Tatort.
Beta: Baggeli (der die Geschichte - und eine Szene ganz besonders -  zu kurz war)

Für den Tatort-Adventskalender 2013
Promt: Schneesturm

Die Geschichte ist in sich abgeschlossen, bildet aber auch Teil 1 des Dreiteilers „SchneesturmEngelWeihnachtsbaumkauf
Auf der Rückfahrt von einem Leichenfundort bekommen es Boerne und Alberich mit einem Schneesturm zu tun.


Format: Jahreswechseldrabble: 2013 Wörter im Text + eines als Überschrift = 2014 Wörter

Schneesturm

„Sind Sie sicher, dass wir auf der richtigen Straße sind?“ Silke schaute teils kläglich teils angespannt durch die Windschutzscheibe, auf der der Scheibenwischer vergeblich versuchte die vom eisigen Wind dagegen gepeitschten Flocken zur Seite zu schieben.

„Natürlich. Wir sind auf der Herfahrt rechts abgebogen, also haben wir nun links abbiegen müssen. Das muss die richtige Straße sein“, gab Boerne nicht weniger angespannt zurück. Er hielt das Lenkrad mit festem Griff und hatte sich leicht im Sitz vorgebeugt, als versuchte er so seine Sicht zu verbessern.
Die Scheinwerfer drangen jedoch nur einige wenige Meter weit in den dichten Schneesturm hinaus, der ihren Heimweg vom Tatort nun schon seit über einer Stunde begleitete. Er fuhr sehr langsam, dennoch konnte er nur mit Mühe verhindern, dass der Wagen auf der spiegelglatten Landstraße ausbrach.

„Sind wir vorhin nicht an einem Wald entlang gefahren?“

„Nein, das waren nur ein paar Bäume… aber die sind Ihnen sicher wie ein ganzer Wald vorgekommen.“

Silke verdrehte die Augen. „Mensch Chef, sogar jetzt müssen Sie auf mir herumhacken.“

Boerne ließ den Wagen ausrollen und lehnte sich mit einem Seufzen im Sitz zurück. Sichtlich müde schob er seine Brille nach oben und rieb sich über die Augen. „Ich fürchte, Sie haben Recht, Alberich. In diesem…“ Er deutete fahrig nach draußen, wo sie von einer wirbelnden, weißen Wand umgeben waren. „… Weltuntergang ist es praktisch unmöglich die richtige Straße zu finden. Aber…“, er gab wieder behutsam Gas und der Audi setzte sich gehorsam in Bewegung. „… wir müssen auch wieder nach Hause kommen. Seien Sie bloß froh, dass Sie nicht allein mit ihrem roten Hüpfer in diesen gottverlassenen Steinbruch gefahren sind. Der Mörder hätte sich aber auch wirklich einen anderen Ort suchen können, um die Leiche zu entsorgen und warum sind diese Langläufer überhaupt dort vorbeigefahren? Die Kälte hätte den Leichnam ….“

Silke ließ die Worte an sich vorbei plätschern. Sie hörte die Müdigkeit und die Frustration in Boernes Stimme und sie wusste, dass er nur redete um Dampf abzulassen. Schon in der letzten Nacht hatte er nicht viel Schlaf bekommen, hatte in letzter Minute notwendig gewordenen Untersuchungen alleine durchgeführt und sie nach Hause geschickt. Am Morgen hatte sie ihn dann schlafend in seinem Bürostuhl vorgefunden. Erholsam war das sicher nicht gewesen. Dann dieser Marathon heute… gleich zwei Tatorte, die besichtigt werden wollten. Dazu das schlechte Wetter. Es war für den Nachmittag ein Schneesturm gemeldet worden und der Wind war ständig stärker geworden. Sie hatte ziemlich dagegen ankämpfen müssen beim ersten Tatort, der völlig ungeschützt auf freiem Feld gelegen hatte. Boerne hatte es schließlich bemerkt und hatte sie wortlos am Arm mit sich gezogen.

Kaum zurück in der Rechtsmedizin war der nächste Leichenfund gemeldet worden. Dieses Mal weit draußen außerhalb der Stadt in einem still gelegten Steinbruch. Langläufer waren dort vorbeigekommen und hatten den halb unter Steinen verborgenen Toten gefunden.

Er war bereits, trotz… oder wegen?... des nasskalten Wetters der letzten Tage in einem weit fortgeschrittenen Stadium der Verwesung gewesen und Boerne hatte aus der Auffindesituation geschlossen, dass Tiere ihn ausgegraben haben mussten. Kein angenehmer Anblick.

Den ganzen Tag über hatte es leicht geschneit, doch auf der Fahrt zum Steinbruch war der Schneefall sehr schnell dichter geworden. Als sie ankamen konnte man nur noch einige Meter weit sehen und deshalb war es die reinste Tortur gewesen, den Fundort zu sichten. Hinzu kamen die weißen Schutzoveralls, die in all dem Weiß verhinderten, dass sich die Mitglieder des Teams gegenseitig sahen. Zwei Mitarbeiter wären fast über sie gestolpert und Boerne hatte sich auch nur noch gerade so auf den Beinen halten können, als er unvermutet gegen sie stieß. Keiner von ihnen hatte jedoch ein Wort darüber verloren.

Eigentlich hatten sie wegen des dann plötzlich mit aller Macht einsetzenden Schneesturms im Konvoi zurückfahren wollen. Leider hatten sie die anderen aber im Schneetreiben aus den Augen verloren und so war Boerne einfach weiter der Straße gefolgt. In dem Netz aus Landstraßen mit ihren vielen Abzweigungen und Kreuzungen hatte er dann irgendwann die Orientierung verloren. Nun, ihr selbst ging es nicht besser.

Waren sie in der Dämmerung losgefahren, so hatte sie jetzt die Dunkelheit voll im Griff. Neben ihrem Fenster wirbelten die Flocken so schnell durcheinander, dass sie fast meinte, kalte Finger griffen nach ihr. Sie schauderte unbehaglich und kuschelte sich noch ein weniger tiefer in ihre Winterjacke.

Boerne warf ihr aus den Augenwinkeln einen kurzen Blick zu. „Kalt?“

Sie schüttelte den Kopf. Es war angenehm warm im Wagen, trotz der Eiseskälte draußen.
„Nein… ich finde es nur… unheimlich.“

Boerne brummte etwas, das sie nicht verstand und konzentrierte sich wieder auf die Fahrbahn. Sie spürte, wie die starken Windböen den Wagen erfassten und zur Seite drängten, dann wieder von der anderen Seite dagegen stießen. Gut, dass Boerne am Steuer saß: sie wäre mit diesem Wetter überfordert gewesen.

Weitere zehn Minuten vergingen, in denen sie schweigend durch den wirbelnden Schnee krochen. Boerne kämpfte mit den Windböen und mehr als einmal schaffte er es nur mit Mühe, nicht die Kontrolle über den Wagen zu verlieren. Eigentlich wäre es sinnvoller gewesen, den Wagen zu parken und einfach das Unwetter abzuwarten. Dass ihm das jedoch zutiefst widerstrebte - ein Boerne kapitulierte nicht vor so ein bisschen Schnee und Wind - war ihr klar und darum machte sie den Vorschlag gar nicht erst.

Plötzlich ruckte der Wagen und das Heck brach aus. Gleichzeitig wurden sie von einer so starken Windböe gepackt, dass sie förmlich durchgeschüttelt wurden. Boerne stieß eine halblaute Verwünschung aus und versucht die Kontrolle zu behalten, doch da schlingerte der Wagen schon einen kleinen Abhang hinunter und blieb nach einem kurzen Aufheulen des Motors still liegen. Boerne atmete tief durch und löste die verkrampften Hände vom Lenkrad. Sie konnte sehen, dass er ganz  blass geworden war. „Chef? Alles in Ordnung?“

Er nickte. „Ja… und Sie? Sind Sie verletzt?“

„Nein…. Was war das eben?“

„Eine starke Böe und unter dem Schnee muss ein Ast oder etwas Ähnliches gewesen sein.“ Er atmete tief durch und versuchte den Motor zu starten, doch der gab nur ein unwilliges Röcheln von sich. Boerne schloss frustriert die Augen, atmete dann tief durch.

„Bleiben Sie im Wagen, Alberich. Ich werde mal sehen, ob ich was ausrichten kann.“

Er entriegelte den Mechanismus der Kühlerhaube, stemmte sich gegen die Tür und schob sie gegen den Widerstand des Windes auf. Sofort wehte eine eisige Böe eine Ladung Schnee ins Innere. Boerne beeilte sich auszusteigen und versank beinahe bis zur Hüfte in einer Schneewehe. Sie hörte ihn fluchen und beobachtete dann, wie er sich zur Kühlerhaube vorarbeitete und sie vorsichtig öffnete. Nach einigen Minuten klappte er sie wieder zu und kehrte ins Wageninnere zurück.

„Nichts. Ich kann nicht erkennen, warum der Motor nicht mehr will… hätte uns auch nicht viel gebracht, da wir ganz offensichtlich in einer ziemlich großen Schneewehe festsitzen.“ Er ließ frustriert den Kopf gegen die Nackenstütze fallen und schlang die Arme um sich.
Sie wusste, er trug zwar seinen langen wollenen Wintermantel, doch darunter nur den üblichen Anzug, der sicher nicht viel Wärme spendete. Sie war da mit dickem Wollpulli und Thermojeans besser ausgerüstet.

„Und jetzt? Bleiben wir im Wagen?“

Boerne hatte sein Handy herausgezogen, steckte es aber gleich wieder in die Tasche. „Kein Netz“, murmelte er. Dann drehte er den Kopf zu ihr und musterte sie müde. „Wir müssen wohl hier bleiben, auch wenn der Wagen ziemlich schnell auskühlen dürfte. Wenigstens sind wir hier vor dem Wind geschützt.“

Sie nickte beklommen. Aber da draußen wollte sie jetzt auch nicht sein. Immerhin hatten die Scheinwerfer noch nicht den Geist aufgegeben, so dass sie vor dem Wagen etwas sahen… auch wenn es nur der vom Wind getriebene, wirbelnde Schnee war.

Plötzlich riss der Sturm ab und für einen Moment konnte sie ein wenig weiter sehen. War das da nicht…? Aufgeregt packte sie Boerne am Arm. „Chef! Sehen Sie mal, da vorne! Das sieht aus wie ein Haus.“

„Ein Haus? Hier? Mitten im nirgendwo?“ Doch Boerne schaute auch angestrengt in die von ihr angegebene Richtung. Elektrisiert richtete er sich auf. „Sie haben Recht, Alberich, da ist wirklich ein Gebäude! Dort können wir um Hilfe bitten. Kommen Sie!“

Er stieg wieder aus dem Wagen, umrundete die Kühlerhaube und half ihr dann ebenfalls auszusteigen. Auf der Beifahrerseite war der Schnee nicht ganz so tief, doch sie versank trotzdem bis über den Knien. Sich an Boerne festhaltend, kämpfte sie sich einige Schritte weiter. Er half ihr, doch es war dennoch anstrengend und, bei dem wieder mit unverminderter Macht einsetzenden Sturm, für sie fast unmöglich vorwärts zu kommen. Allein wäre sie völlig hilflos gewesen. Gemeinsam schafften sie es aber, Stück für Stück näher an das Haus zu kommen.

Es war kein Licht zu sehen, nur die Scheinwerfer des Audis wiesen ihnen den Weg. Morgen würde die Batterie leer sein, aber das war nun nicht wichtig.

Schließlich erreichten sie den Windschatten des Gebäudes und Silke hätte vor Frustration aufschreien können: es war kein Wohnhaus, sondern eine Feldscheune.

Boerne machte ein Tor ausfindig und rüttelte daran. Zu seiner und ihrer Überraschung war es nicht abgeschlossen. Sie huschten hinein, dankbar für den Moment den eisigen Wind hinter sich lassen zu können.

Der heimelige Duft von Heu stieg ihnen in die Nase.

„Ein Heuschober… immerhin besser als ein eiskaltes Auto“, murmelte Boerne und tastete sich in der völligen Dunkelheit langsam voran. Silke, die merkte, dass er sich entfernte, beeilte sich neben ihm zu bleiben, während sie sich den Schnee von der Jacke klopfte.

„Kommen Sie, ich glaube, dort drüben liegen einige Heuballen. Da können wir uns ein Nachtlager einrichten.“ Er zeigte nach vorne und da sich nun auch ihre Augen an die Finsternis gewöhnt hatten, konnte sie die vagen Umrisse der Ballen erahnen.

Boerne hatte schon damit begonnen, die handlichen Quader zu einer Ebene zusammenzuschieben. Sie war nicht sehr groß, gerade lang genug für Boerne und breit genug, dass sie beide nebeneinander Platz fanden. Die übrigen Ballen dienten, senkrecht um die Ebene herum aufgestellt, als Schutz gegen den von außen durch die vereinzelten Fugen in den hölzernen Wänden pfeifenden Wind.

Silke kauerte sich bereits auf den Heuballen zusammen, während Boerne noch die letzten aufrichtete und dann zu ihr in ihr behelfsmäßiges Nest kletterte. Sie hörte, wie seine Zähne aufeinander schlugen und ihr ging es auch nicht besser. Boerne streckte sich aus und knöpfte dann seinen Mantel auf, damit sie nicht durch die feuchte Wolle getrennt waren.

„Auch wenn es nicht gerade ein komfortables Bett ist… wir können versuchen uns gegenseitig zu wärmen und… ein bisschen zu schlafen“, schlug er mit vor Kälte steifen Lippen vor.

„Keine… schlechte… Idee“, brachte sie ebenso bibbernd heraus und kuschelte sich an ihn. Sie brauchten eine Weile, bis sie eine halbwegs bequeme und möglichst wärmende Position gefunden hatten und es endete damit, dass ihr Kopf auf seiner Schulter lag, während er sie festhielt und seine Hände unter den Saum ihrer Winterjacke schob.

Silke, die Boerne noch nie so nah gewesen war, fühlte sich bei ihm sicher und geborgen. Sie merkte an seinen ruhiger werdenden Atemzügen, dass er schon nach wenigen Minuten erschöpft einschlief und auch sie ließ sich in den Schlaf sinken, als es ihr bald darauf wärmer wurde.

~~

„Hier sind sie!“

Boerne zuckte zusammen, als ihn Thiels deutlich erleichterte Stimme aus dem Schlaf riss. Auch Alberich, die noch immer dicht an ihn gekuschelt lag und im Schlaf förmlich in ihn hineingekrochen war, schlug die Augen auf. Behutsam löste er sich von ihr und richtete sich auf.

Thiel kam, zusammen mit Frau Krusenstern und einigen Mitgliedern seines Teams auf ihr behelfsmäßiges Nachtlager zugestapft. Er grinste breit. „Mensch Boerne! Sie haben uns einen ganz schönen Schrecken eingejagt! Einfach so nicht nach Hause zu kommen bei dem Wetter.“

„Wo kommen Sie denn plötzlich alle her?“, fragte Boerne und klopfte sich loses Heu vom Mantel.

„Der Schneeräumdienst hat uns angerufen. Ihr Wagen ist ihm aufgefallen… schön fein säuberlich in einer Schneewehe geparkt. Allerdings hat es ihn beunruhigt, dass der Wagen leer war. Nur gut, dass Sie hier in der Scheune Zuflucht gefunden haben.“

Boerne reichte Alberich die Hand und half ihr, von den Heuballen herunter zu klettern. „Allerdings, mein lieber Thiel.“

Er grinste sie an und sie lächelte zurück, als er auch ihr Heu aus den Haaren zupfte.


tbc in „Engel


Tags: @fanfiction, @tatort-adventskalender-2013, Tatort Münster, alberich, boerne, pg6
Subscribe

  • Indianer weinen nicht

    Fandom: Tatort Münster Charaktere: Boerne, Alberich Rating: PG6, ff, h/c, Trauer Beta: ohne Beta Bingo-Prompt: Zögerlich Hilfe…

  • Ungeschminkte Wahrheiten

    Fandom: Tatort Münster Charaktere: Boerne, Alberich, Thiel, Nadeshda, Wilhelmine Klemm Rating: PG6, ff, Humor Beta: ohne Beta Bingo-Prompt:…

  • Erinnerung

    Fandom: Tatort Münster Charaktere: Boerne, Thiel, Henriette Rating: PG12, ff, h/c Beta: ohne Beta Bingo-Prompt: Wieder zum Kind werden…

  • Post a new comment

    Error

    Anonymous comments are disabled in this journal

    default userpic

    Your reply will be screened

    Your IP address will be recorded 

  • 16 comments

  • Indianer weinen nicht

    Fandom: Tatort Münster Charaktere: Boerne, Alberich Rating: PG6, ff, h/c, Trauer Beta: ohne Beta Bingo-Prompt: Zögerlich Hilfe…

  • Ungeschminkte Wahrheiten

    Fandom: Tatort Münster Charaktere: Boerne, Alberich, Thiel, Nadeshda, Wilhelmine Klemm Rating: PG6, ff, Humor Beta: ohne Beta Bingo-Prompt:…

  • Erinnerung

    Fandom: Tatort Münster Charaktere: Boerne, Thiel, Henriette Rating: PG12, ff, h/c Beta: ohne Beta Bingo-Prompt: Wieder zum Kind werden…