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Engel - 16. Kalendertürchen

Fandom: Tatort Münster
Charaktere: Alberich/ Boerne
Rating: PG12, fluff, humor, ff
Diclaimer: Die Idee zur Geschichte gehört mir, die Charaktere den Machern von Tatort.
Beta: Baggeli

Für den Tatort-Adventskalender 2013
Promt: Engel

Summary: Teil 2 des Dreiteilers „SchneesturmEngelWeihnachtsbaumkauf
Ob Boerne wirklich nicht weiß, was ein Schneeengel ist?

Format: Jahreswechseldrabble: 2013 Wörter im Text + eines als Titel = 2014 Wörter

Engel

Boerne schob sich die Brille zurecht und richtete sich auf. Es hatte schon wieder zu schneien begonnen und er schaute sich nach seiner kleinen Assistentin um. In dem weißen Schutzoverall war sie zwischen den Flocken nur schwer auszumachen und er war erst vor einer Woche, bei diesem scheußlichen Leichenfund im Steinbruch, fast über sie gestolpert. Damals hatte aber auch ein heftiger Schneesturm die Sicht zusätzlich behindert, was nun heute… Gott sei Dank… nicht der Fall war.

Überhaupt… dieser Schneesturm… sein Auto war immer noch in der Werkstatt. Zum Glück hatten sie in dieser Scheune eine ganz passable Zuflucht gefunden und… eine überraschend angenehme Nacht verbracht. Sie hatten sich aneinander gewärmt und – gestand er sich ein – es war ganz natürlich gewesen mit ihr im Arm einzuschlafen.

Trotzdem mochte er Schnee nicht sonderlich. Er war kalt, er war nass, er war rutschig und er sorgte für eiskalte Finger, wenn man einen Leichenfundort begutachten musste.
Mürrisch streifte er die Untersuchungshandschuhe ab und versuchte seine vor Kälte inzwischen steifen Finger durch Anhauchen zu wärmen.

Alberich kam lächelnd auf ihn zu und streckte ihm einen flachen, ovalen Gegenstand hin. „Hier Chef, das wird Ihnen gut tun.“

Verwundert nahm er, was sie ihm anbot und schloss gleich darauf die Hände um das Wärmekissen. „Alberich, Sie sind ein Engel… ich könnte Sie mit Gold überschütten“, seufzte er erleichtert, als die Wärme in seine Finger sickerte.

Sie lachte. „Vorsicht, Chef. Ich könnte Sie beim Wort nehmen.“

Er warf ihr einen amüsierten Blick zu. „Bei Ihrer Größe ließe sich das gerade noch verschmerzen. Aber woher haben Sie gewusst, dass…“

„Ich kenn‘ Sie doch, Chef“, winkte sie schmunzelnd ab, während sie gemeinsam zum Leihwagen der Werkstatt gingen.

„Professor? Ich glaube, Sie sollten sich das hier mal ansehen?“, rief einer der Polizisten und winkte ihm zu. Boerne, der eben hatte einsteigen wollen, richtete sich auf. „Was ist denn, Maier?“

„Hier ist noch was… vielleicht schauen Sie es sich selbst mal an?“

Boerne seufzte und wechselte einen Blick mit Silke, die schon im Wagen saß. Ergeben stieg sie wieder aus und folgte Boerne dann, als er zu dem in einiger Entfernung stehenden Mann ging.
Der einsam gelegene Hof war seit Jahren nur noch vom alten Bauern bewohnt gewesen und der hatte sich bisher strikt geweigert, alles an seinen Sohn abzugeben oder zu verkaufen. Dann hatte eine Nachbarin, die ab und an vorbeikam, seine Leiche gefunden. Sie hatte dem Ermittlerteam sofort alle Gerüchte erzählt, von denen sie gewusst hatte. Es waren eine ganze Menge gewesen und für Thiel hatte das einige heiße Spuren ergeben, die er nun bereits verfolgte.

Eigentlich war die Fundortsichtung abgeschlossen und das Team von der Spurensicherung war ebenfalls schon wieder aufgebrochen. Bei dem ständigen Schneefall war aber auch nicht viel auszurichten gewesen. Jeder weitere Hinweis würde Thiel helfen, Wahrheit von Gerüchten zu unterscheiden.

Der Weg zum Stall war nicht geräumt worden und war deshalb, wie eigentlich alles hier, von einer dicken pudrigen Schneeschicht bedeckt. Boerne reichte Alberich den Arm, so dass sie sich bei ihm einhängen konnte. Als sie den Polizisten erreichten, hörte der Schneefall plötzlich auf und die Sonne brach durch die seit Tagen dicht geschlossene Wolkendecke. Überall glitzerte es und Boerne schirmte vor der unerwarteten Helligkeit die Augen ab.

„Bei Sonnenschein hätte ich es wahrscheinlich gar nicht gesehen“, murmelte Maier und deutete auf eine Kette, die knapp über dem Boden in einem Gebüsch hing und nun ebenfalls im Sonnenlicht glitzerte.

„Alberich… das ist Ihre Etage“, wies er seine Assistentin an und reichte ihr einen Asservatenbeutel. Sie streifte gehorsam ein Paar Handschuhe über und pflückte die Kette aus den Zweigen.

„Was hat Sie hierhergeführt?“, hakte Boerne nach und sah sich um. „Hier gibt es außer den Ihren keine Fußspuren.“

„Naja…“ Der Polizist schien etwas verlegen zu sein. „Ich wollte in Ruhe eine rauchen und weil beim Haus und den direkten Nebengebäuden so viel los war und ja überall Spuren sein konnten… außerdem habe ich mit Frau Klemm eine Wette laufen, dass ich es länger ohne Zigarette aushalte als sie“, gab er drucksend zu. „Da schien mir der abseits gelegene Stall genau richtig zu sein. Auf dem Rückweg habe ich dann was glitzern sehen und weil die Sonne noch nicht schien, ist es mir erst recht aufgefallen.“

Alberich verbarg ihr Schmunzeln hinter einer besonders ernsten Miene und reichte Boerne den Asservatenbeutel, damit er ihn in seiner Manteltasche verwahren konnte.
„Dann sollten Sie sich nicht von ihr erwischen lassen“, schlug Boerne ironisch vor. „Sie können dann jetzt auch zurückfahren… die Gebäude wurden ja alle durchsucht, oder?“

„Natürlich, Herr Professor. Es ist niemand mehr im Wohnhaus und den anderen Gebäuden dort drüben… die Ställe hab ich selbst überprüft. Die sind voller Spinnweben vom Boden bis zur Decke. Da war seit Jahren keiner mehr drin.“

„Gut.“ Boerne entließ den Mann mit einem Wink und wandte sich dann an seine Begleiterin. „Ich möchte mich hier ein wenig genauer umsehen… und die Sonne noch eine Weile genießen. Kommen Sie mit, Alberich?“

„Klar doch, Chef“, meinte sie und schloss sich ihm an. Sie schlenderten um die leer stehenden Stallungen herum und gelangten auf eine große, sichtlich verwilderte Obstwiese.
„Das war sicher mal ein schönes Anwesen“, kommentierte Alberich die Szene traurig.

Boerne brummte nur etwas. Der Schnee hinter dem Stall und auf dem Gras war unberührt und es würden sich hier mit Sicherheit keine weiteren Spuren finden. Er wollte schon wieder zurückgehen, als er den nun verträumten Gesichtsausdruck bemerkte, mit dem Alberich den glitzernden Schnee anschaute. Ihre Wangen waren von der kalten Luft gerötet und einige blonde Strähnen hatten sich frech unter ihrer Mütze hervorgemogelt.

„Sie sehen aus, als würden sie gerade an etwas Schönes denken… vielleicht an eine kleine Runde von Freunden unterm Weihnachtsbäumchen?“

„Was?“ Sie schaute auf, eindeutig aus ihren Gedanken gerissen, winkte dann ab. „Wieso kleine Runde? Wir sind sogar eine recht große Runde in diesem Jahr… auch wenn ich die Kleinste von ihnen bin“, griff sie seine Neckerei auf. „Ich dachte gerade daran, dass sich dieser unberührte Schnee wunderbar für einen Schneeengel eignen würde. Eine so schöne Schneedecke findet man ja in der Stadt eher nicht.“

Boerne schaute sie verständnislos an. „Schneeengel? Sie wollen doch jetzt wohl nicht einen Schneemann mit Flügeln bauen?“

Sie stutzte einen Moment und lachte dann laut auf. „Nein, doch keinen Schneemann. Ich rede von einem Schneeengel.“ Seine ratlose Miene änderte sich nicht und sie fuhr erstaunt fort. „Sie wissen wirklich nicht, was ein Schneeengel ist? Das glaube ich Ihnen nicht, Chef.“

„Warum muss ich das wissen? Ich kenne Rauschgoldengel, Schutzengel und Babyengel… gemeinhin auch Putten genannt und …“, dozierte er trocken, doch in seinen Mundwinkeln zuckte es.

Als Antwort schob sie etwas Schnee zusammen, formte einen Ball und bewarf ihn damit. Boerne duckte sich, so dass ihn das Geschoss nicht traf.
Er warf ihr einen gespielt finsteren Blick zu. „Ich nehme zurück, dass Sie ein Engel sind, Alberich… sie sind wohl eher genauso hämisch wie ihr namentliches Vorbild. Immerhin lullen Sie mich hier mit Ihrem Gerede über Engel ein, planen gleichzeitig mich hinterrücks anzugreifen und…“ Er schob möglichst unauffällig mit dem Stiefel Schnee auf einen Haufen, bückte sich rasch danach und presste ihn ebenfalls zu einem Schneeball zusammen. „… ich eröffne deshalb die Schlacht!“
Er warf und Alberich huschte mit einem Juchzen hinter einen der knorrigen Obstbäume, erwiderte dann aus dieser Deckung heraus das Feuer.

Einige Minuten lang flogen die Schneebälle hin und her, bis sich Boerne nach einem Volltreffer, der seinen Kragen mit Schnee gefüllt hatte, mit einem breiten Lächeln ergab. Es war sonst nicht seine Art, so ausgelassen zu sein, doch der helle Sonnenschein nach dem tagelangen tristen Grau in Grau, der glitzernde Schnee und seine bezaubernde Assistentin schienen heute eine ganz besondere Wirkung auf ihn zu haben. Sicher, dass außer ihnen niemand mehr in der Nähe war, verzichtete er deshalb darauf, sich wie sonst in seine Würde zu hüllen.

Alberich kam etwas misstrauisch aus ihrer Deckung, doch als sie sah, dass er definitiv keinen Schneeball in der Hand hielt, schlendert sie zu ihm und hakte sich bei ihm unter.
„Nun mal ehrlich, Chef? Sie wissen wirklich nicht, was ein Schneeengel ist?“, fragte sie, als sie sich gemächlich auf den Rückweg zum Stall machten. Während ihrer Schneeballschlacht hatte sie sich ziemlich weit vom Hof entfernt.

Boerne blieb stehen. „Nein, ich habe wirklich keine Ahnung, was das sein soll.“

Sie musterte ihn und versuchte ganz offenbar zu ergründen, ob er sie wieder neckte, doch er schaute sie ernst an. „Also gut… dann zeige ich es Ihnen.“

Ohne Vorwarnung ließ sie sich, wo sie war, rückwärts in den Schnee fallen, ruderte dann mit Armen und Beinen um die typische Silhouette zu erzeugen. Boerne beobachtete die Aktion etwas ratlos und sie streckte ihm schmunzelnd die Hand entgegen: „Helfen Sie mir hoch?“

Er zog sie auf die Füße und half ihr dann dabei, den Schnee von ihrer Jacke zu klopfen. Dabei musterte er den Abdruck, den sie im Schnee hinterlassen hatte. Die Form ähnelte wirklich einem Engel… einem sehr kleinen Engel.

Nachdem Alberich ihre Mütze ausgeschüttelt und wieder ordentlich aufgesetzt hatte, warf auch sie einen Blick auf den Schneeengel.

„Ach Mist“, murrte sie dann. „Ich hab nicht darauf geachtet, dass da ja unsere Fußspuren sind. Die laufen jetzt quer hindurch.“

„Naja… immerhin weiß ich jetzt, was ein Schneeengel ist“, gab Boerne zu bedenken und versuchte ziemlich erfolglos ernst zu bleiben.

Sie bemerkte das wohl und strahlte ihn an, hakte sich dann wieder bei ihm ein.
„So geht das nicht… das ist kein echter Schneeengel.“ Sie sah sich suchend um und entdeckte nicht weit vom Weg entfernt einen leichten Hang. „Ja... der ist perfekt“, murmelte sie und lief darauf zu.

Boerne folgte ihr kopfschüttelnd. Heute war sie so übermütig wie ein Kind und er gestand sich ein, dass ihm das gefiel. Zu oft war er von Menschen umgeben, die sich selbst viel zu ernst nahmen und jede Abweichung der von ihnen vorgegebenen Lebensart nicht nur nicht tolerierten, sondern mit gesellschaftlichen Sanktionen ahndeten. Er hatte sich angepasst um dazuzugehören, doch manchmal fragte er sich, welchen Preis er dafür bezahlte.

Genoss er deshalb diese unbeschwerten Momente mit Alberich so sehr?

Sie hatte den Hang erreicht und wieder ließ sie sich rücklings hineinfallen. Hier war der Schnee tiefer und er fürchtete schon, sie würde gänzlich darin verschwinden. Dann aber ließ sie auch hier die Silhouette entstehen und reckte ihm erneut die Hand entgegen.

Lachend schüttelte sie den Schnee aus dem Kragen ihrer Winterjacke, als er sie aus dem Schnee gezogen hatte und sie wieder vor ihm stand. „Nun müssen Sie aber auch einen Schneeengel machen, Chef. Einer allein ist langweilig.“

„Ich? Niemals“, wehrte Boerne ab. Als Antwort funkelte sie ihn herausfordernd an und bückte sich, um erneut einen Schneeball zu formen.

„Das wagen Sie nicht!“, drohte er ihr, nur mühsam ein Lachen unterdrückend.

„Wetten?“

Boerne wollte zurückweichen, um ihr keine so große Angriffsfläche zu bieten, glitt dann aber auf dem hier vereisten Schnee aus und fiel rücklings neben ihren Schneeengel auf den Hang.

„Hah!“, triumphierte sie. „Das kommt davon. Nun können Sie auch gleich einen Schneeengel machen.“

Boerne musste selbst grinsen und bewegte sich ergebend Arme und Beine, rappelte sich dann vorsichtig auf, um die Konturen nicht zu zerstörten. Alberichs Strahlen war die Aktion wert gewesen, stellte er fest.

Sie trat auf ihn zu und half ihm den Schnee vom Mantel zu klopfen. „Sie sind einfach zu groß, Chef. Ich komme nicht an Ihre Schultern“, klagte sie. Er lächelte und ging gehorsam neben ihr in die Hocke. Dabei geriet er wieder ins Rutschen und hielt sich reflexartig an ihr fest, zog sie dabei unwillkürlich an sich.

Ihre Bewegungen stockten und sie schaute ihn einfach nur still an. Auch er wurde still, war sich nur noch seines plötzlich viel zu schnellen Herzschlages und ihrer blauen Augen vor sich bewusst.

Langsam neigte er den Kopf, zuckte dann unsicher zurück und suchte ihren Blick, der ihm weiterhin ernst und ruhig begegnete. Sie kam ihm ein klein wenig entgegen und dann spürte er ihre Lippen, die ihn küssten… oder küsst er sie?

Ein lautes, viel zu nahes „Boerne? Sind Sie noch hier?“ ließ sie erschrocken auseinanderfahren und er hätte Thiel in diesem Moment am liebsten in die nächste Schneewehe befördert.


tbc in „Weihnachtsbaumkauf

Tags: @fanfiction, @tatort-adventskalender-2013, Tatort Münster, alberich, boerne, pg6
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