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Weihnachtsbaumkauf - 22. Kalendertürchen

Fandom: Tatort Münster
Charaktere: Boerne/Alberich
Rating: PG12, fluff, h/c, ff
Diclaimer: Die Idee zur Geschichte gehört mir, die Charaktere den Machern von Tatort.
Beta: Baggeli – und (auch wenn man auf die Idee kommen könnte) Ähnlichkeiten oder zufällige Bezüge zu einer von ihr im letzten Jahr im Adventskalender veröffentlichten Geschichte sind wirklich reiner Zufall. Fragt sie, wenn Ihr mir nicht glaubt. Wir haben uns jedenfalls köstlich drüber amüsiert, was es manchmal für Zufälle gibt.

Für den Tatort-Adventskalender 2013
Promt: Weihnachtsbaum kaufen

Summary: Teil 3 des Dreiteilers „SchneesturmEngelWeihnachtsbaumkauf
Alberich hat keinen Weihnachtsbaum, Boerne auch nicht.

Format: Jahreswechseldrabble: 2013 Wörter im Text + eines als Titel = 2014 Wörter


Weihnachtsbaumkauf

Boerne warf einen Blick auf seinen Notizzettel und hakte in Gedanken die einzelnen Positionen ab. Wie es schien, hatte er die leidigen Weihnachtseinkäufe endlich erledigt. Nur… womit konnte er Alberich eine Freude machen? Er würde von ihr, wie jedes Jahr, eine Flasche eines wirklich hervorragenden Rotweines geschenkt bekommen und wollte vorbereitet sein.

Bisher war er auf die üblichen Sachen ausgewichen… ein Buch oder eine Schachtel Pralinen waren von ihr auch immer gut aufgenommen worden.

Dieses Jahr jedoch… Hatten sie sich wirklich geküsst oder hatte er sich das nur eingebildet?
Als Thiel vor einigen Tagen bei diesem Leichenfundort auf dem alten Hof in aller Eile den Weg entlang auf sie zugerannt gekommen war, war er vor Schreck rücklings in den Schnee gefallen. Dabei hatte er die beiden Schneeengel zerstört, die so nahe beieinander gewesen waren, dass es ausgesehen hatte, als hielten sie sich an den Händen.

Thiel hatte einen Verdächtigen ausmachen können und war nun zurückgekommen, um in dem verlassenen Hof eine Theorie zu überprüfen und dazu hatte er ihn, Boerne, gebraucht.

Die notwendigen Proben waren schnell genommen und er war anschließend mit Alberich ins Institut zurückgefahren. Sie hatte während der Fahrt geschwiegen und auch danach war sie mit keinem Wort auf das zurückgekommen, was an diesem Nachmittag passiert war.

Er hatte sich das nicht eingebildet, oder?

Nachdenklich schob er den Einkaufswagen zu seinem inzwischen wieder reparierten Audi und packte die Einkäufe in den Kofferraum. Alberich war in den vergangenen Tagen sehr still gewesen. Sie hatte zwar, wie eigentlich immer, auf seine Neckereien reagiert, jedoch ohne ihre spitze Zunge übermäßig an ihm zu wetzen, wie sie es sonst tat. Stattdessen schien sie beinahe froh gewesen zu sein, dass er viel Zeit mit Thiel und dessen Suche nach dem Täter verbrachte. Heute Morgen war dann der Zugriff erfolgt und Thiel saß sicherlich immer noch im Verhörzimmer… der Verdächtige hatte sich nicht gerade kooperativ gezeigt.

Das laute Greinen eines Säuglings riss ihn aus seinen Gedanken und er schaute sich unwillkürlich um.
Überall um ihn herum hetzten gestresst wirkende Frauen mit und ohne Kinder an der Hand in Richtung Laden oder Parkplatz. Männer sah er nur wenige und die wenigen, die er sah, wirkten auch nicht gerade entspannt. Sie hatten, wie er selbst auch, zumeist Einkaufslisten in der Hand, die sie, im Gegensatz zu ihm, wohl im Auftrag ihrer Ehefrauen oder Freundinnen besorgen mussten.

Er fühlte sich wie auf einer Insel, so still wie er hier stand.

Auf ihn wartete niemand und er erwartete auch niemanden. Letztes Jahr hatte er, ziemlich spontan, den Weihnachtsabend mit Thiel verbracht und heimlich hatte er gehofft, dass es auch dieses Jahr der Fall sein würde. Doch vor einer Woche hatte der Kommissar eher nebenbei erwähnt, dass er die diesjährigen Feiertage mit seinem Vater verbringen würde.

Auch Alberich hatte durchblicken lassen, dass sie, wie jedes Jahr, mit ihren Freundinnen feiern wollte. Sicher war sie schon mittendrin in den Vorbereitungen und er gönnte ihr die Vorfreude von Herzen.

Und er selbst? Nun, es war ja nicht das erste Mal, dass er den Abend alleine verbrachte, oder nicht? Wurde es zu etwas anderem, wenn es zufällig der Weihnachtsabend war? Boerne entschied, dass es keinen Unterschied machte.

Er brachte den Einkaufswagen zurück zur Wagenschlange am Eingang. Hier, so dicht beim  Supermarkt hörte er die leise säuselnde Weihnachtsmusik, die, durchsetzt mit Werbung, schon seit vier Wochen aus den Lautsprechern tröpfelte. Gleichzeitig jedoch hörte er die scheppernde Aufnahme eines Kinderchores, die ganz offenbar auf einem Schallplattenspieler abgespielt wurde.

Neugierig geworden ging er dem fast anachronistisch anmutenden Geräusch nach und fand, um die Ecke des Supermarktes biegend, einen Weihnachtsbaumverkauf. Und richtig, dort stand auf einem wackeligen Hocker ein alter Schallplattenspieler. Boerne lächelte und schaute etwas genauer auf die Szene.

So kurz vor Weihnachten gab es nur noch wenig Auswahl bei den Bäumen. Es waren zumeist Fichten oder geradezu riesige Tannen, die noch auf Käufer warteten. Beides hätte er nicht in seiner Wohnung haben wollen. Trotzdem ging er näher heran. Wie lange war es her, dass er einen Weihnachtsbaum geschmückt hatte? Er konnte sich nicht genau erinnern, wusste nur, dass es irgendwann in seiner Ehe aufgehört hatte, einen Weihnachtsbaum zu geben, einfach weil sie Weihnachten irgendwohin flogen, wo es keine gab. Nach seiner Ehe… hatte er keinen Grund mehr gehabt einen Baum aufzustellen.

Dabei hatte er Weihnachten immer gemocht.

Sollte er?

Etwas zögernd ging er näher heran und stutzte dann, als er zwischen den hohen Bäumen eine vertraute Gestalt erkannte… eine sehr kleine vertraute Gestalt.

Sie schien ihn noch nicht bemerkt zu haben, sondern betrachtete kritisch die sie weit überragenden Bäume, schien dabei aber nicht sehr enthusiastisch zu sein. Der Verkäufer sprach sie an und sie unterhielten sich kurz. Dann deutete er auf eine Ecke, in der deutlich kleinere aber auch ziemlich krumm oder schütter gewachsene Bäume standen.

Sie trottete langsam hinüber. Insgesamt wirkte sie überhaupt ziemlich niedergeschlagen, stellte Boerne plötzlich bestürzt fest. Entschlossen sie ein bisschen aufzumuntern, ging er zu ihr. „Na, Alberich? Suchen Sie nach einem Bäumchen?“

Sie zuckte zusammen, als er sie unvermittelt ansprach und drehte sich mit einem sichtlich erzwungenen Lächeln um. „Hallo Chef. Wollen Sie sich auch einen kaufen?“

„Eigentlich nicht.“ Er musterte sie genauer. „Was ist denn los? Sie sehen ja aus, als ob…“

sie gleich in Tränen ausbrechen würden…. hatte er sagen wollen, brachte die Worte jedoch nicht über die Lippen, als sie verhalten schniefte.
Sofort trat er näher heran und legte ihr eine Hand unter das Kinn, so dass sie aufsehen musste. „Was ist passiert?“

Sie drehte sich abrupt weg und entzog sich so seiner Hand, wischte sich dabei verstohlen über die Augen.
„Ach… ich hatte mich so auf die Feiertage gefreut, weil wir alle mal wieder zusammen feiern wollten. Ich habe einige meiner Freundinnen seit Monaten nicht gesehen und wir… Naja… ist ja jetzt auch egal.“ Sie stockte nach dem anfänglichen Wortschwall und deutete fahrig auf die kleinen Bäume, fuhr dann leise fort: „Kaufe ich mir eben für mich allein einen Baum.“ Es klang trotzig und frustriert.

„Warum allein? Haben Ihre Freundinnen denn keine Zeit?“ Ihre Traurigkeit rührte Boerne und er wünschte, er könnte sie zum Lachen bringen. Aber irgendwie war ihm das schon in den letzten Tagen nicht gelungen.

Sie schüttelte stumm den Kopf, zuckte dann mit den Schultern und begann in einem Anflug ihrer sonstigen Ungerührtheit an den Finger abzuzählen: „Die Eine hat einen neuen Freund und feiert nun mit dem, die Zweite liegt mit Grippe im Bett und will niemanden sehen, die Dritte musste gestern beruflich ins Ausland und kommt erst im Januar wieder, die Vierte hat dem Drängen ihrer Eltern nachgegeben und feiert mit denen, die Fünfte hat den Weihnachtskoller gekriegt und ist spontan nach Mallorca geflogen und ich.. naja… ich sitze allein daheim.“

„Dann wären wir schon zu zweit“, murmelte Boerne und bereute seine Worte sogleich, als sie ihn irritiert ansah. „Wieso? Sie sind doch sicher in einem Ihrer Clubs eingeladen, wie in den anderen Jahren auch.“

Boerne wich ihrem Blick aus, als seine Notlüge ihn nun so gnadenlos einholte. Was hatte er denn auch sagen sollen, wenn ihm die anderen von ihren Plänen erzählten und er… nicht mal einen Weihnachtsbaum hatte?
Selbst sie hatte er all die Jahre über in dem Glauben gelassen.

Tief einatmend schüttelte er den Kopf. „Nein… dieses Jahr nicht… und auch nicht in den Jahren zuvor“, gab er ehrlich zu.

Alberich schaute ihn überrascht an. „Das… habe ich nicht gewusst“, murmelte sie leise.

„Nun, ist ja auch nicht wichtig, nicht wahr“, versuchte er betont locker die bedrückende Stimmung zu brechen, als ihm ein Gedanke kam. „Wissen Sie was, Alberich… wenn wir schon beide allein sind, dann können wir genauso gut zusammen die Feiertage verbringen. Ich lade Sie ein.“

Sie blinzelte und schluckte. „Das müssen Sie nicht tun, Chef.“

„Ich möchte es aber“, beharrte er und hob erneut ihr Kinn an. Diesmal wich sie nicht aus.
„Und ich möchte mit Ihnen zusammen einen Weihnachtsbaum kaufen.“

~~

Sie hatte zuerst nur zögernd zugestimmt, doch er hatte sie so bittend angesehen, dass sie es nicht über sich gebracht hatte abzulehnen. In den letzten Tagen war sie sich so unsicher gewesen, ob sie sich diesen kurzen, fast scheuen Kuss nicht vor lauter Wunschdenken nur eingebildet hatte und Boerne war nie lange genug in der Rechtsmedizin gewesen, als dass sie sich ein Herz gefasst und ihn darauf angesprochen hätte. Auch er war mit keinem Wort, nicht mal mit einer Anspielung, auf die Schneeengel und was danach geschehen war, zurückgekommen.

Dann waren, eine nach der anderen, die Absagen ihrer Freundinnen eingetrudelt und schließlich war klar gewesen, dass sie den Weihnachtsabend allein verbringen würde. Eigentlich hatten sie sich bei jener Freundin treffen wollen, die dann dringend ins Ausland hatte reisen müssen, so dass sie sich auch keinen Gedanken über einen Baum gemacht hatte. Nun aber… Weihnachten ohne Baum wäre noch schrecklicher gewesen und so war sie losgezogen um noch einen zu finden.

Boerne hatte selbst so bedrückt ausgesehen, als er sie angesprochen hatte und als er dann ehrlich zugegeben hatte, auch allein zu sein…

Ihrer beider gute Laune war zurückgekehrt, als sie gemeinsam den prächtigen Baum ausgesucht hatten und sie hatten sich darauf geeinigt, dass er ihn mit in seine Wohnung nehmen würde und sie, da er keinen Baumschmuck besaß, ihren holen und dann über die Feiertage bei ihm bleiben würde.

Erst auf der Heimfahrt war ihr bewusst geworden, dass Boerne all die Jahre Weihnachten allein gewesen sein musste und sie kämpfte erneut mit den Tränen. Warum hatte er nur nie ein Wort gesagt? Andererseits wusste sie, wie verschlossen er in diesen Dingen war. Hatte er vielleicht auch deshalb kein Wort über den Kuss verloren?

Nun stand sie, beladen mit einem Karton voller Baumschmuck und ihrer Reisetasche vor seiner Tür und fühlte sich nervös wie ein frisch verliebter Teenager. Sie schmunzelte über sich selbst, doch da öffnete er die Tür und lenkte sie von allen weiteren Gedanken in diese Richtung ab.
Er bat sie erwartungsvoll herein, nahm ihr dann den Karton ab und  ging voran ins Wohnzimmer. Dort lag der Baum noch mitten im Zimmer, die Möbel waren jedoch schon von ihm zur Seite gerückt worden, um Platz zu schaffen.

„Dann können wir ja gleich loslegen“, schmunzelte sie und holte den Christbaumständer aus dem Karton. Boerne hielt den Baum gerade, während sie unter die Zweige kroch und die Drahtseilhalterung anzog und arretierte. „Loslassen“, kommandierte sie dann und sofort kippte der Baum Boerne in die Arme.
Aufgekratzt prusteten sie beide los und versuchten dann erneut ihr Glück. Beim dritten Versuch war sie es, die auf einem Stuhl stehend den Baum hielt. Nachdem Boerne den Ständer fixiert hatte, blieb der Baum stehen, wie er sollte.

„Na also“, meinte er trocken und reichte ihr eine der Glaskugeln. „Wenn Sie schon auf dem Stuhl stehen, können Sie ja gleich auch die Kugeln aufhängen.“

Sie grinste. „Ich glaube, ich verziehe mich lieber in das untere Stockwerk.“ Sie warf einen Blick nach oben, wo die Spitze des Baumes gerade eben bis an die Zimmerdecke reichte.
„Um da rauf zu kommen, müsste ich schon am Baum hochklettern… oder mindestens eine Leiter benutzen.“

Boerne schmunzelte und griff nach ihrer Hand, um ihr vom Stuhl herunter zu helfen… und
plötzlich war sie wieder da… diese Stille, die alles andere verschluckte und nur sie beide übrig ließ.

Langsam trat er näher heran und sie fühlte sich ebenso von ihm gebannt, wie auf jenem Hof vor einigen Tagen. Dann hatte er sie erreicht und sie schlang ihre Arme um seinen Hals, während er sie fest an sich zog.

Seine Lippen waren warm und sanft, wurden dann fordernder, als sie nachgab und sich an ihn schmiegte.

~

Später, als der Baum geschmückt war und das Feuer im  Kamin einen gemütlichen Schein ins Zimmer warf, saßen sie bei leiser Musik und mit einem Glas Glühwein auf dem Sofa. Boerne hatte den Arm um ihre Schultern gelegt und sie kuschelte sich an ihn. Sie nippte an ihrem Glas und schaute zu ihm auf.
„Ich glaube, es war die beste Entscheidung, heute doch noch loszuziehen und einen Baum kaufen zu wollen“, sagte sie und er zog sie mit einem Lächeln noch ein wenig enger an sich, bevor er sie erneut küsste.


Tags: @fanfiction, @tatort-adventskalender-2013, Tatort Münster, alberich, boerne, pg12
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