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Erinnerung

Fandom: Tatort Münster
Charaktere: Boerne, Thiel, Henriette
Rating: PG12, ff, h/c
Beta: ohne Beta
Bingo-Prompt: Wieder zum Kind werden
Wörter: ~ 640
Summary: Ein Erlebnis aus seiner Kindheit lässt Boerne nicht los
Anmerkung: Bezug zu einer Szene aus „Krumme Hunde“ und Boernes Gedanken dazu. Die Dialoge sind aus der Szene entnommen.


Erinnerung

Sie saß auf dem Sofa. Selbstgerechtigkeit und Arroganz umgaben sie wie ein zu aufdringliches Parfüm. Sie erzählte von dem Privatdetektiv, echauffierte sich, dass er es gewagt hatte, sich bei Onkel Rudolf zu melden.

Es war klar, dass ihr das nicht behagte, hätte es doch ihr Erbe geschmälert.
Habgierige alte Natter.

Thiel ließ sich von ihrem Gehabe nicht beeindrucken, reagierte nur auf das, was sie sagte, war nur an den Fakten interessiert. Manchmal hätte ich schon gern gewusst, was er von den Menschen hielt, denen er so begegnete. Ich wusste, er hatte eine ausgezeichnete Menschenkenntnis… wie würde sein Urteil über sie lauten? Was dachte er über mich?

„Ich wollte zumindest mal wissen, was das für einer ist und ob überhaupt was dran sein könnte an seiner Geschichte.“ Sie lehnte sich vor, spießte Thiel fast mir ihrer Brille auf.

„Natürlich. Als Onkel Rudolfs Bankert hätte er nämlich einen Erbanspruch. Grund genug für einen habgierigen Menschen wie dich, ihn für immer mundtot zu machen, hm?“ Sie hätte da ein Motiv gehabt und ich traute es ihr durchaus zu die Täterin zu sein, wusste ich doch aus eigener Erfahrung, wie perfide sie war.

Sie tat meinen Einwand mit einem abfälligen Schnauben ab und wandte sich an Thiel.
„Glauben Sie nicht, wir könnten uns besser ohne den da unterhalten?“ Die Verachtung in ihrer Stimme war nicht zu überhören, aber das kannte ich schon von ihr. Thiel warf mir einen kurzen Blick zu. Ich wusste, er würde auf ihren Vorschlag eingehen, würde vorgeben, sich auf ihre Seite zu stellen… auf die Seite der Boerne-Hasser. Ich versuchte es zu ignorieren, weil ich wusste, dass es nur eine Taktik war. Warum versetzte es mir dennoch einen Stich, als ich seine nächsten Worte hörte?

„Weiß Gott. Herr Professor, dürfte ich Sie bitten ganz kurz draußen Platz zu nehmen?“, forderte er mich auf.

„Nein“, weigerte ich mich. Auch wenn es eine Taktik war, musste ich noch lange nicht mitspielen. „Das ist eine Unverschämtheit, ich bleibe hier.“

Thiel verdrehte kurz die Augen und stand dann auf. „Kommen Sie“, forderte er Henriette auf. „Der Klügere gibt nach.“

Ich war mit meinen Gedanken noch immer so sehr bei seinem, wenn auch vorgetäuschten, Verrat und der dadurch hervorgerufenen Enttäuschung, dass ich im ersten Moment gar nicht begriff, was er sagte. „Ich geb‘ ja gar nicht nach“, antwortete ich ganz automatisch und merkte selbst, dass ich mich wie ein trotziges Kind anhörte.
Das lag sicher nur an ihr. Sie hatte immer diese Wirkung auf mich, dass ich mich wie ein Fünfjähriger fühlte.

Sie stand ebenfalls auf und folgte Thiel aus dem Raum, blieb aber in der Tür stehen und drehte sich zu mir um. Ein kaltes, böses Funkeln lag in ihren Augen und sie hob mit gespreizten Fingern die Hand, hielt sie mir vors Gesicht.

Als wäre ich gegen eine Wand gelaufen, stoppte ich.

Sofort war es wieder da, dieses Gefühl keine Luft zu bekommen, niedergedrückt zu werden, Sand im Mund zu haben. Ich spürte wieder den harten Rand eines Sandförmchens, der meine Wange wund rieb, während sie mir das Ding gegen Mund und Nase drückte.
Schmerzen und Panik flammten wieder in mir auf, als läge ich wieder unter ihr im Sand. Stärker und größer als ich war sie gewesen und sie hatte das gewusst, hatte es ausgenutzt, dass ich mich nicht hatte wehren können.

Ich hatte versucht zu schreien, hatte versucht sie wegzustoßen und war ihr gleichzeitig hilflos ausgeliefert gewesen.
Mühsam holte ich Atem, als sie sich mit einem zynischen Lächeln wieder umdrehte und sich die Tür hinter ihr schloss.

Die Panik verschwand nur langsam, ließ mich zitternd zurück.

Diese Schlange wusste ganz genau, was sie mir damit antat, dass sie mich immer wieder an ihren Sieg von damals erinnerte. Ich hasste es, dass sie es immer wieder ausnutzte, dass es nur einer kleinen Geste bedurfte, mich wieder zum Kind werden zu lassen.


 
Tags: @bingo_de, @fanfiction, Tatort Münster, boerne, h/c, henriette, pg12, thiel
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