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Indianer weinen nicht

Fandom: Tatort Münster
Charaktere: Boerne, Alberich
Rating: PG6, ff, h/c, Trauer
Beta: ohne Beta
Bingo-Prompt: Zögerlich Hilfe annehmen /Trost
Wörter: ~ 920
Summary: Sequel und missing scene zu „Zwischen den Ohren“. Boerne trauert und Silke lässt ihn dabei nicht allein.
Boernes Monolog stammt komplett aus dieser Episode und ich habe keinerlei Rechte daran.



Indianer weinen nicht

„Mensch Schrägzehe… wie hättest du denn geheißen, als Mann? Hm?“

Silke verharrte, als sie Boernes melancholische Worte hörte. Er hatte sie nicht bemerkt und so schlich sie so lautlos wie möglich wieder aus dem Obduktionsraum. Schon die ganze Zeit zurückgehaltenes Mitgefühl quoll an die Oberfläche und ließ sie hinter einer Säule verharren, wo er sie nicht sehen konnte. Sie fühlte Mitleid mit einem Mann, der feststellen musste, dass seine Jugendliebe mehr Mann als Frau war und getötet worden war, weil sie einer anderen Frau hatte helfen wollen.

„Dem Gesetz nach, hättest du dich operieren lassen müssen“, hörte sie ihn nun leicht belehrend sagen. Er konnte nicht aus seiner Haut und es entlockte ihr trotz allem ein leichtes, wenn auch trauriges Lächeln, dass er selbst in dieser Situation zu dozieren begann.

„Die große Lösung…“, fuhr er fort. „Sie hätten dir die Eierstöcke herausgerissen, die Brüste abgeschnitten und…“ Er klang resigniert, schwieg einen Moment lang.
„Vielleicht warst du ja immer schon ein besserer Mann als wir alle zusammen.“

Silke schluckte, als sie die Resignation in seinen Worten hörte und spähte vorsichtig um die Säule herum, hinter der sie stehen geblieben war.

Boerne legte stumm die rechte Hand aufs Herz und bewegte dann den Arm zur Schulter… ein Gruß, wie sie ihn aus den Karl-May-Filmen kannte. Hatte er nicht erzählt, er wäre früher zusammen mit Susanne auf deren Ponys ausgeritten?

„Mach’s gut, Shatterhand“, raunte er mit belegter Stimme und stieß sich von der Wand ab, an die er sich gelehnt hatte. Dann zog er mit bedrückter Miene das grüne Tuch über ihr Gesicht und schob mit einem energischen Ruck die Bahre wieder in das Kühlfach. Der Knall, mit dem er die Tür zuwarf sagte ihr, dass er damit zugleich auch ein Kapitel seines Lebens schloss.

Susanne war zur Beerdigung freigegeben worden und würde in Kürze abgeholt werden. Ihr Vater war in einem Pflegeheim untergebracht worden und war einfach nicht mehr in der Lage gewesen, sich um diese Formalitäten zu kümmern. Boerne hatte das selbst übernommen, was ihr viel über seine Gefühle für diese Frau verriet. Irgendwie, auf seine Weise, hatte er sie geliebt.

~~

Zwei Tage später nieselte es, als Silke leise über die Kieswege des Friedhofs ging. Sie erwartete nicht, dass viele kommen würden und war deshalb nicht überrascht, dass nur wenige Menschen am Grab standen und der Rede des Priesters lauschten.

Boerne war jedoch einer von ihnen.
Er stand neben Susannes Vater, der zusammengesunken in seinem Rollstuhl saß. Ein etwas abseits stehender Pfleger ließ ihn nicht aus den Augen. Auch dafür hatte Boerne gesorgt, wusste sie. Er wollte dass Susannes Vater gut versorgt war. Er musste wohl ebenfalls eine wichtige Rolle in Boernes Leben gespielt haben, vermutete sie deshalb.

Als der Sarg in das Grab hinabgelassen wurde, trat sie langsam näher und blieb schließlich neben Boerne stehen. Sie wollte ihn hiermit nicht allein lassen und legte ihm sanft eine Hand auf den Arm, als er sie bemerkte und sich überrascht zu ihr umwandte.
Trauer lag in seinen Augen und Schmerz über etwas, das unwiederbringlich verloren war. Aber auch Dankbarkeit dafür, dass sie hier war. Dann war er an der Reihe ans Grab zu treten und ging die wenigen Schritte nach vorne.

Statt eines der bereitstehenden Gebinde aus Nelken und Tannenreisig zu nehmen, öffnete er die Hand, die er bis dahin fest geschlossen hatte. Eine Art Kette aus Federn und Holzperlen löste sich und baumelte von seinen ausgestreckten Fingern, die er über das Grab hielt.
Sie bewegte sich leicht, verriet damit sein Zittern.

Borne zögerte kurz und schaute stumm auf den Sarg hinab, dann ließ er die Kette hineinfallen. Der dumpfe Ton, den sie beim Auftreffen verursachte, klang überlaut in der Stille.
Seine Schultern strafften sich und er trat zurück, blieb kurz bei Susannes Vater stehen und wechselte einige Worte mit ihm. Dann wandte er sich ab und ging mit schnellen Schritten zum Ausgang.

Auch Silke ging, nachdem sie dem Vater ihr Beileid ausgesprochen hatte. Sie sah Boerne am Friedhofstor zögern und sich kurz umsehen. Dann, wohl einen Entschluss fassend, wandte er sich nicht zum Parkplatz, sondern zu einem angrenzenden Park. Sie folgte ihm.

Er war nur einige Meter weit gegangen, bis er eine Bank erreicht hatte. Dort hatte er Platz genommen und schaute nun mit hängenden Schultern vor sich hin. Silke trat still zu ihm.  Boerne war kein Mann, der seine Gefühle zur Schau stellte, aber dass er litt konnte sie sehen, spürte es fast am eigenen Körper.

In der Hoffnung, dass er ihren Trost würde annehmen können, legte sie eine Hand auf seine Schulter und zog ihn sanft an sich.
Er versteifte sich, zögerte merklich und sie fürchtete schon, er würde ihr Mitgefühl abweisen.
Es wäre nicht das erste Mal, dass dies geschah.

Doch dann spürte sie, wie seine rigide Haltung weicher wurde, als er langsam in sich zusammensank und sich in ihre Umarmung lehnte. Sein Kopf kam nach vorne und er schmiegte die Stirn an ihren Hals, atmete tief und zitternd ein. Seine Arme schlangen sich um sie und zogen sie dichter an ihn heran, hielten sie so fest, als suche er in ihr einen Halt.

Sie strich ihm sanft durchs Haar. Er weinte nicht und sie war sich nicht sicher, ob er es jemals tun würde. Aber sie war froh, dass sie ihm wenigstens diese kleine Hilfe geben konnte, dass er es zuließ, dass sie die Trauer mit ihm teilte, auch wenn sie Susanne nicht so gekannt hatte wie er.

Leise fiel der Nieselregen auf sie beide herab und vermischte sich mit ihren Tränen, die sie an seiner statt weinte.

Tags: "zwischen den ohren", @bingo_de, @fanfiction, Tatort Münster, alberich, boerne, episodenbezug, h/c, pg12
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